Sexy Sons

Buchumschlag: Sexy Sons
Sexy Sons
Roman, 463 Seiten,
Ammann Verlag, Zürich, 2001

Rezensionen

Die ZeitLiteraturenBerliner Morgenpost

DIE ZEIT, Wissen 02/2002

DER BIOAUTORMUSIKOLOGE
Bernhard Kegel macht die Wissenschaft zum Romanstoff

von Anja Jardine

Auf den ersten Blick sitzt das Klischee perfekt: Bernhard Kegel war einer von denen, die mit 15 durch den Wald streifen, Käfer unter Steinen hervorklauben, um dann nachmittagelang über das Binokular gebeugt zu prüfen, ob dieser oder jener Bruder aus der Sippe der Hexapoden über eine Borste in der dritten Flügelrippe verfügt oder nicht. Wer nun allerdings glaubt, über Bernhard Kegel Bescheid zu wissen, täuscht sich.

Merkwürdig klein, fast wie ein Schülerpult, wirkt der Tisch des Autors neben den Percussions auf der Bühne des Soda Salons. Ohne den Blick vom Manuskript zu heben, wippt Bernhard Kegels Oberkörper im Rhythmus der Drums. Kegel liest:

"Männer, die von ihren Frauen getrennt waren, ejakulieren eine weit größere Spermienmenge, als wenn sie sie von morgens bis abends unter Beobachtung hatten (...) und manche Forscher sind der Ansicht, dass ein großer Teil, vielleicht neunundneunzig Prozent dieser geschwänzten Schwimmzellen, nicht das Ziel haben, eine Eizelle zu finden. Es sind Blockierer, die fremden Spermien in den feinen Kanälchen des Cervix-Schleims den Weg verstellen sollen, und es sind Killer, sogenannte Soldaten- oder Kamikaze-Spermien. Ihre Aufgabe: search and destroy, fremde Samenzellen aufspüren, sie immobilisieren oder zerstören."

Einige Zuschauer versenken bei dieser Passage den Blick ins Glas oder rutschen unbehaglich auf ihren Sesseln. "Das ist das literarische Publikum", sagt Kegel, "viele Alt-68er, die halten es nur schwer aus, etwas nicht beeinflussen zu können." Aber Killerspermien im Hodensack und eine Ehefrau an der Seite, die im Auftrag der Evolution gar nicht anders kann, als gelegentlich in fremden Genpools zu fischen, widerstreben nicht nur den Verfechtern selbstbestimmten Lebens, sondern auch den Wissenschaftsgläubigen im Publikum.

Beiden werden in "Sexy Sons", Bernhard Kegels neuem Roman, die Grenzen aufgezeigt. Es geht um jenes gerade beginnende Zeitalter, in dem der Mensch anfängt, sich massiv in die Evolution einzumischen. Dem Zufall, der Natur oder auch Gott sollen die letzten Domänen streitig gemacht werden, indem Homo sapiens das Genmaterial seiner Nachkommen nach eigenem Gutdünken selektiert und manipuliert und designt. Es ist die Ära der sexy Söhne, der perfekten Nachkommen - im perfidesten Fall perfekt im Sinne von genetisch identisch mit dem Erzeuger, sorry, Auftraggeber. "Da ist Unbehagen durchaus angebracht", sagt Kegel. Zwar sollen seine Leser gut unterhalten sein, vor allem aber will er die großen Fragen der Wissenschaft auf die Belange ihrer kleinen Existenzen herunterbrechen. Wir sollen wissen von diesen Dingen. Und darüber nachdenken!

Tun wir. Vermutlich, weil Kegel nicht übertreibt. Weder lässt er genetisch optimierte Eliterassen entstehen, noch entwickelt er surreal vereinfachte Wege der Fortpflanzung. Seine Science-Fiction ist nah an den heute tatsächlich absehbaren Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin entlang entwickelt. Das Eindringliche ist das Vertraute beziehungsweise seine augenscheinlich geringfügige Fortschreibung.

Die Protagonisten zum Beispiel kennen wir alle. Da ist ED Senft, der Konzernchef und Macher, der - nichts Böses im Sinn - doch nur der eigenen Herrlichkeit zur Wiedergeburt verhelfen möchte, indem er sich klont. Da ist Didi, der Verlierer, der im Schatten seines Vaters zugrunde geht. Wir alle kennen Didi.

Und nicht zuletzt Dr. Dr. Herbert von Steeb, als Mediziner eine Kapazität, als Mann eine arme Sau. Mit einem vollständig desillusionierten Blick auf alles Zwischengeschlechtliche widmet er sich mit Hingabe seiner Arbeit als Chef einer Fortpflanzungsklinik. Ein typischer Vertreter des "immer undurchschaubarer werdenden Geflechts aus privaten, wissenschaftlichen und öffentlichen Interessen", das Bernhard Kegel in Deutschland wahrnimmt und kritisiert. Auch wenn die Forschung in Deutschland noch weit von der Kommerzialisierung nach amerikanischem Beispiel enffernt sei, sagt Kegel, so frage man sich doch immer häufiger: "Wer spricht denn da? Der Hochschullehrer, der Nachwuchs ausbildet, oder der Unternehmer und Patentinhaber?"

Nicht zuletzt aus Besorgnis über Entwicklungen wie diese hat Kegel vor gut zehn Jahren angefangen zu schreiben. Begünstigt durch Liebeskummer und eine Reise durch Griechenland - da unterscheiden sich die Verfasser von Wissenschaftsromanen in nichts von anderen Schriftstellern. Damals saß der Biologe Bernhard Kegel gerade an seiner Doktorabeit und untersuchte die Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Bodentiere. 250 000 Laufkäfer hat Kegel in gut fünf Jahren vom Acker gesammelt, die Population von 120 verschiedenen Käfern über diesen Zeitraum hinweg beobachtet, um zu dem Schluss zu kommen, dass das verwendete Herbizid den Käfern nichts zu Leide tut. Eine nicht wirklich befriedigende Arbeit. Vor allem deswegen, weil das Ergebnis nur für genau diese Käfer und genau dieses Herbizid gilt. "Man muss verdammt kleine Brötchen backen", sagt Kegel.

Dabei ist er durchaus mit dem Ziel Biologe geworden, etwas gesellschaftlich Relevantes zu tun. Das Wissen über Zusammenhänge, hatte er geglaubt, würde es den Menschen ermöglichen, sich harmonischer in die Natur einzufügen. Doch schon im Studium musste er sehr schnell die Erfahrung machen, dass der Ansatz bei vielen ein anderer war, nämlich der, die Funktion eines Organismus zu erkennen, allein um ihn sich zu Nutze zu machen. "Das geht mir völlig ab", sagt Kegel. "So funktioniert mein Kopf nicht."

Ursprünglich hatte er Molekularbiologe werden wollen. Als Schüler erfreute er seine Klasse mit mehrstündigen Referaten zum Beispiel über Bakteriengenetik. Manchmal tat es ihm leid, wenn seine Mitschüler in der Folgestunde das Referierte wiederholen mussten, aber schon damals spürte er den Pädagogen in sich. Konnte seinen Freunden langfristig nicht schaden, das bisschen Bakteriengenetik. Dem Lehrer übrigens auch nicht.

In dieser Zeit muss es gewesen sein, dass Bernhard Kegel zum ersten Mal den Film "Eine Reise in die Urwelt" von Karel Zeemann gesehen hat. Der Film hat so sehr Eindruck auf ihn gemacht, dass er 20 Jahre später auf der ersten Seite seines zweiten Romans "Das Ölschieferskelett - Eine Zeitreise" die Frage stellt: "Wäre mein Leben ohne seinen Film anders verlaufen?" Vier Jungen gelangen durch eine Höhle in die Urwelt und treffen dort auf Tiere, die für Kegel alles in Grunewald und Spandauer Forst verblassen lassen: Tyrannosaurus, Stegosaurus und andere kolossale Reptilien, Mammuts, Säbelzahntiger, Riesenlibellen. Seitdem wusste Bernhard Kegel, was er mit seinem Leben anfangen wollte: Biologe werden. Und weil die Erde ihre besten Tage schon hinter sich zu haben schien, träumte er davon, Lebensformen auf anderen Planeten zu erforschen. Er konnte es kaum erwarten und studierte zunächst Chemie. Doch das hatte leider so gar nichts mit dem zu tun, was er wollte.

"Wer heute Molekularbiologe ist", sagt er, "steht nur noch im Labor und hantiert mit irgendwelchen Gelen, in denen DNS-Stücke verteilt sind, und vergleicht farbige Balkenmuster." Für ihn aber habe Biologie noch immer damit zu tun: "draußen rumlaufen". Hinzu komme, dass sehr schnell absehbar gewesen sei, dass es in der Molekularbiologie nicht bei der Grundlagenforschung bleibe, sondern vor allem darum ginge, "Organismen zu manipulieren und zu verändern". Für ihn war es an der Zeit, sich wieder der klassischen Biologie zuzuwenden.

Niemand, der dem blassen Doktoranden in den Fluren der Universität begegnete, ahnte, dass Kegel in all diesen Studienjahren ein Doppelleben führte. Tagsüber saß er im Labor und untersuchte das Sexualverhalten konsekutiver Zwitter aus dem Reich der Würmer oder verfasste ökologische Gutachten, und des Nachts, wenn Hochschulassistenten schlafen, spielte er bis in die Morgenstunden in den angesagten Jazzclubs Berlins, im Quasimodo, im Flöz und nach der Wende dann im Franzclub. Er ist Jazzer, sein Instrument die Gitarre. Ohne jegliches Interesse am Realbook, der Jazz-Bibel mit den großen Standards, suchte er auch in der Musik seinen eigenen, schrägen Weg. Es gab Stunden, da glaubte er, die Musik und allein die Musik sei seine Welt. Damals zum Beispiel, als er ein Vierteljahr lang am Creative Music Studio in Woodstock Weltmusik machte und die Amerikaner total auf seinen eigensinnigen Stil abfuhren.

Aber spätestens wenn seine Musikerkollegen sich wieder auf den Fahrersitz eines Taxis klemmen oder unwilligen Schülern das Musizieren beibringen mussten, war Kegel froh über seine qualifizierte Arbeit. Ein solches Leben bedeutete zwar über Jahre hinweg wenig Schlaf, sagt er, aber niemals habe er die zwei Welten als einander widerstrebend empfunden. Ganz im Gegenteil. Und wer ihn auf der Bühne mit dem percussionist Ulrich Moritz Töne und Worte über Globacter, das synthetische Superbakterium, zusammenbauen hört, glaubt das sofort.

Auch sein erster Roman Wenzels Pilz, wie gesagt: verfasst unter Herzschmerz in griechischen Tavernen, handelt von gentechnisch veränderten Lebewesen, die sich verselbstständigen, womit Kegel sehr früh versuchte, ein heikles Thema populär zu machen. Es habe ihn fuchsig gemacht, sagt er, dass von den wissenschaftlichen Vereinigungen in Deutschland nie ein klares Wort zu vernehmen sei. Weder zur Situation der Natur noch zu sonst einem Forschungsgegenstand. Erst als man drohte, den Wissenschaftlern durch die Verschärfung des Tierschutzgesetzes die eigenen Spielzeuge - ihre Tierchen - wegzunehmen, hätten die Forscher empörte Briefe ans Ministerium geschickt. Ansonsten betrachteten viele Wissenschaftler ihre Arbeit als reine Denksportaufgabe und verspürten offensichtlich kaum gesellschaftliche Verantwortung. Es müsse jemanden geben, der sich hinstellt, und der sagt: Leute, so sieht es aus. Schließlich gebe es kaum ein Umweltproblem, das nicht noch immer brandaktuell sei.

In Neuseeland zum Beispiel war Kegel entsetzt über die Unwissenheit der Touristen. "Ah" und "oh" rufend, liefen sie durch das Land, bewunderten diese "unberührte" Natur, empörten sich über die Neuseeländer, die sich große Mühe geben, möglichst viele Fuchskusus totzufahren, und hätten nicht den geringsten Schimmer davon, dass sie in einer Landschaft stünden, die so brutal und dramatisch von importierten Tieren und Pflanzen umgestaltet wurde, dass ihr der totale Kollaps droht. "Na und?", fragt der Unbedarfte, was macht es schon, wenn es die Kiefer Pinus radiata hier früher nicht gegeben hat?

Wird ihm dann aber vor Augen geführt, dass das im umgekehrten Fall bedeuten würde, dass in unseren Wäldern bis zu drei Meter hohe, flugunfähige Riesenvögel hockten, die Moas, dass anstelle der Nagetiere handtellergroße Heuschrecken durch die Gegend hüpften und dort, wo heute Birken, Eichen und Buchen stehen, riesige Nadelbäume, Farne und andere exotisch anmutende Gewächse unsere Breiten zierten, ahnt so mancher, was es für ein Land bedeutet, Brennpunkt biologischer Invasion zu sein. Nachzulesen in Bernhard Kegels Sachbuch Die Ameise als Tramp. Plötzlich betrachtet man die 86 Prozent exotischer Pflanzen in den Gärten und Parks Hamburgs mit anderen Augen.

Ja. Wir brauchen dringend Augenaufmacher. Und Bemhard Kegel scheint der richtige Mann zu sein, um diese Aufgabe zu übernehmen.

Das Multitalent Bernhard Kegel ist Biologe, Musiker und Romanautor. Der Berliner erforschte die Auswirkungen von Pflanzenschatzmitteln auf Insekten und Käfer; seit dreißig Jahren spielt er Gitarre in mehreren Jazzbands. Bekannt wurde er durch seine Bücher "Wenzels Pilz" (1993), "Das Ölschieferskelett" (1996), "Die Ameise als Tramp" (1999) und "Sexy Sons" (2001). Der 48-jährige Kegel gewann vier Publizistikpreise.

Top

LITERATUREN, November 2001

von Roebi Koller

Hamburg, Mitte des 21. Jahrhunderts. Medizin und Gentechnologie haben es weiter gebracht, als wir heute zu befürchten wagen. Im Bereich der Fortpflanzung wird nichts mehr dem Zufall überlassen: Menschen werden unter Ausschaltung aller der Wissenschaft bekannten Fehler erzeugt (nur noch selten: gezeugt), perfekte Wesen: "Sexy Sons". Andere wiederum kommen dank dem Unsterblichkeitswunsch einiger Größenwahnsinniger als Kopien zur Welt. Das Klonen von Menschen ist normal geworden. In diesem unwirtlichen, unerotischen und, nach heutigen Maßstäben, unmenschlichen Umfeld spielt die Geschichte um den Großindustriellen Senft, der der Welt seine neueste Erfindung präsentiert: ein Bakterium, das die großen Probleme der Umweltverschmutzung lösen soll. Allerdings gibt es einen Gegenspieler, der Senft und seinem Imperium einen dicken Strich durch die Rechnung macht. Kegel hat seine Hausaufgaben gemacht: Die schwierige Materie der Mikrobiologie und der Fortpflanzungsmedizin hat er bis in die hintersten Winkel recherchiert, und er lässt uns großzügig an seinem Wissen teilhaben. Die ethisch-philosophischen Ausführungen kann man sich aber sparen, vor allem die unerträglich langweilige Fernsehtalkshow, die der Autor, Gott weiß warum, in ihrer gesamten Länge wiedergibt. Großzügig drüberweglesen! Diese Längen bremsen nämlich unnötig den raffinierten und ungewöhnlich spannenden Plot, der wohltuend altmodisch auf so urmenschlichen Trieben wie Liebe, Hass, Eifersucht und Eitelkeit aufgebaut ist. "Sexy Sons" ist eine modern verpackte Familientragödie mit fein gezeichneten, glaubwürdigen Personen. Der Leser, der die 460 Seiten zu Ende liest, wird es nicht bereuen. Als Bonus gibt es, gut versteckt mitten im Roman, eine witzige Parodie auf Boris Beckers Samenraub. Und natürlich tut es gut, zu wissen, dass die Wissenschaft auch im Jahre Zweitausend-x noch kein Mittel gegen menschliche Schwächen gefunden hat.

Top

Berliner Morgenpost vom 16.9.2001

Die Genetik des Schreibens
Der Thriller-Autor und Ex-Gitarrist Bernhard Kegel wird heute mit dem Grüter-Preis geehrt

von Uwe Sauerwein

Die Gitarre kommt in jüngster Zeit kaum noch zum Einsatz. Ebenso wenig die Sitar. Zumindest, was die Bühne anbelangt. Dabei hat Bernhard Kegel jahrelang mitgemischt in der Berliner Musikszene, hat die bekannte Jazz-Organistin Barbara Dennerlein begleitet oder mit Kamalesh Maitra, dem indischen Tabla-Virtuosen, gespielt. Seit fünf Jahren jedoch ist der heute 47-Jährige mit wachsendem Erfolg vorwiegend auf literarischem Gebiet aktiv.

Kegels musikalische Vergangenheit legt nahe, warum der Berliner Autor in seinem neuen Roman "Sexy Sons" so authentisch einen verrauchten Jazzkeller beschreibt. Dort verdient sich Didi, eine von Kegels Hauptfiguren, als Saxofonist mühsam seine Brötchen. Dabei könnte der junge Mann, was keiner seiner Freunde weiß, ein luxuriöses Dasein fristen: Didi ist Sohn des großen E. D. Senft, einer der reichsten Männer Hamburgs und Herr über einen Chemiekonzern, der gerade den ganz großen Coup gelandet hat.

In jahrelanger Forschung ist es Senfts Genetikern gelungen, Globacter zu entwickeln, ein synthetisches Bakterium, das Erdöl in einen unschädlichen Stoff umwandelt. Umweltkatastrophen scheinen damit der Vergangenheit anzugehören. Doch dann macht Didi seinem alten Herrn mit erpresserischen Mitteln einen Strich durch die Rechnung. Nicht aus ideologischen, sondern ganz privaten Gründen: Didi hat erfahren, dass er ein geklontes Kind ist, mit Hilfe der Wissenschaft soll er seinem Vater bis aufs Haar gleichen.

Der perfekte Nachkömmling, den sich die Eltern per Katalog zusammenstellen: Es ist keine Science Fiction, die Bernhard Kegel in seinem Buch, das mal satirisch, dann wieder wie ein Kriminalroman wirkt, beschreibt. "Ich bin noch viel zu sehr Wissenschaftler, um den Lesern irgendwelche hanebüchenen Geschichten zu verkaufen", meint der diplomierte Biologe.

Viele Jahre war er als Lehrbeauftragter an der Technischen und der Freien Universität tätig, er koordinierte für den Senat ein Umweltprojekt und arbeitete als Wissenschafts-Journalist. Die Begeisterung, die er für die Biologie seit seiner Kindheit hegte, ist längst großer Skepsis gewichen: "Die Wissenschaft Biologie hat sich, wie zuvor Chemie und Physik, zu einer Industrie entwickelt."

Die Risiken der Gentechnik spielten bereits in Kegels erstem Roman "Wenzels Pils" von 1993 die Hauptrolle. In "Sexy Sons" sind die ökologischen Auswirkungen ein Thema: Globacter droht am Ende sämtliche Ölvorkommen der Welt zu vernichten. Darüber hinaus schildert der Roman die gesellschaftlichen und psychologischen Folgen des Klonens. Wobei Kegel in seiner zweijährigen Arbeit am Roman öfters von der Tagesaktualität eingeholt wurde: "Die Samenraubaffäre um Boris Becker zeigt, dass meine Geschichte keine Zukunftsmusik ist", meint Kegel und verweist auf amerikanische Keimzellenagenturen im Internet. Selbst dass einige seiner männlichen Romanfiguren aufgrund verkümmerter Geschlechtsteile zeugungsunfäbig sind, ist für Kegel keine reine Fiktion: "Untersuchungen in den Industrieländern haben ergeben, dass die Zahl der befruchtungsfähigen Spermien beim Mann stark abnimmt. Das gilt übrigens auch bei Tieren."

Nach diversen literarischen Auszeichnungen wird dem Publizisten heute eine wissenschaftliche Ehrung zuteil, der mit 20 000 Mark dotierte Inge und Werner GrüterPreis für gelungene Wissenschaftsvermittlung. Auf spannende Weise dem Laien die Forschung schmackhaft machen, das will Kegel auch in seinem nächsten Roman, dessen Thema noch geheim ist: "Ich bin in der glücklichen Lage, vom Schreiben leben zu können. Aber ich habe auch nicht den Druck, der äuf einem Bestseller-Autor lastet."

LeseprobeLiteraturAlle BücherTop